Kita Versorgung in Dresden vorbildhaft

Wo immer die Leiterin des Dresdner Eigenbetriebs Kindertagestätten Sabine Bibas bei verschiedenen Treffen mit ihren Kollegen aus den anderen Städten spricht, ist sie mit Stolz und Erleichterung erfüllt, denn unsere Stadt kann als eine der wenigen deutschen Großstädte jedem Kind ab dem 1. Lebensjahr einen Kindergartenplatz anbieten. Möglich ist dies durch ein gigantisches Investitionsprogramm in Neubau und Sanierung von Tagesstätten, dass von Frau Bibas und ihrem Team derzeit umgesetzt wird. Den Stress, den das bedeutet, ist ihr bei der Vorstellung des neuen Fachplans Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege für das Schuljahr 2014/15 im Ortsbeirat Pieschen am vergangenen Dienstag merklich anzusehen.

KindergartenFreilich ist das Bild innerhalb der Stadtgebiete von Dresden unterschiedlich. Während es in der Altstadt und in Prohlis ein Überangebot an Plätzen gibt, fehlen in Pieschen in zwei Jahren, wenn die Nachfrage tatsächlich so eintritt, wie prognostiziert etwa 400 Plätze für die Kinderbetreuung. Diese Situation ist auch für Sabine Bibas unbefriedigend und sie arbeitet fieberhaft daran. Leider stehen keine geeigneten Grundstücke zum Bau von neuen Einrichtungen zur Verfügung. Größtes Hemmnis sind die Lärmschutzbestimmungen, die maximal 55db an der Grundstücksgrenze erlauben und das ist bei drei großen Durchfahrtstraßen, zwei Bahnlinien und Flughafeneinflugschneise fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Leider bieten Tagespflegeeltern kaum eine Entlastung bei der hohen Nachfrage, denn etwa 60% der Eltern ziehen nach wie vor die Betreuung ihrer Kinder in einer Kindertagestätte vor. Deshalb wird das Angebot an Tageseltern, bis auf wenige gezielte Ausnahmen wie z.B. in Pieschen, auch nicht weiter ausgebaut, um den bestehenden Tageseltern immer ausreichend Kinder vermitteln zu können.

Trotzdem die vielen geplanten Projekte zum Teil erst noch realisiert werden müssen, rücken aber auch langsam wieder in die inneren Werte der Kinderbetreuung in den Vordergrund. Das Dresdner Handlungsprogramm „Aufwachsenen in sozialer Verantwortung“ beschreibt die Verbindung von Bildungschancen und sozialer Herkunft. 17 Einrichtungen u.a. auch in Pieschen wird zusätzliches Personal zur Unterstützung bei der Betreuung von Kindern mit besonderem Förderbedarf zur Verfügung gestellt. Ein Indikator dabei sind Sprachauffälligkeiten, die später zur Ablehnung bei der Einschulung führen können. Mit Spannung erwarten wir deshalb auch die Veröffentlichung des neuen Bildungsberichtes in etwa acht Wochen, der u.a. die Wirksamkeit des Handlungsprogramm zeigen wird.

Großen Diskussionsbedarf gibt es ebenso beim sogenannten Personalschlüssel. Der Betreuungsschlüssel beträgt in Sachsen im Kinderkrippenbereich 1 : 6 (d. h. auf eine Erzieherin kommen sechs Kinder) und im Kindergartenbereich 1 : 13. Damit gehört er im Bundesvergleich zu den schlechtesten Betreuungsschlüsseln. Da dies zu dem nicht ein Maßstab für eine Gruppe von Kindern ist, sondern sich direkt auf den Betreuer bezieht, kommt es in der Praxis, durch die unterschiedlichen Anwesenheitszeiten der Kinder zu einem weit schlechteren Verhältnis von bis zu 9 Kindern pro Erzieher in der Krippe.

Die Frage ist: wie erreichen wir jetzt und zukünftig bei unseren Kindern das Bildungsniveau, welches wir uns wünschen und welches unser Land braucht? Einerseits steigen die Anforderungen an unsere Wissensgesellschaft, andererseits sind die Eltern damit und zu dem auf sie selbst steigenden Alltagsdruck und Zeitbeschleunigung nicht nur in sozial schwächeren Familie sehr oft überfordert. Ist es die Aufgabe der Kindertagesstätten dies auszugleichen, können sie dies leisten und welche Voraussetzungen benötigen sie dafür? Die Landeshauptstadt Dresden hat sich dazu im Rahmen ihrer Beteiligungsrechte bereits mehrfach für einen verbesserten Personalschlüssel ausgesprochen. Doch dies bedeutet mehr Geld. Geld, welches zuerst vom Freitstaat Sachsen kommen muß, denn Bildung ist Ländersache.

Frank Walther, 11. Mai 2014

Ein Gedanke zu „Kita Versorgung in Dresden vorbildhaft

  1. Das ist doch eine beachtliche Entwicklung, die zeigt was Kindertagespflege in Dresden leistet: 40 % der Eltern wählen die Kindertagespflege. Kein Wunder bei der nachgewiesenen Qualität der Kindertagespflege in der Nubbek- Studie und der Wiener Krippenstudie von Liselotte Ahnert / Österreich.
    Die Kindertagespflege überholt die institutionelle Betreuung in der Qualität der Bildung, Betreuung und Pflege der Kleinkinder.

    Eltern wählen in der Hauptsache nur aus Argumenten des Notstands und der Gewohnheit für ihre Kindern institutionelle Betreuung: längere Öffnungszeiten und fehlende Aufklärung bei der Wahl eines Betreuungsplatzes für ihre Kleinkinder

    Aus Sicht der Kleinkinder ist die institutionelle Betreuung ein Auslaufmodell.

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