Wir haben die Mittelschicht verloren

Um das enttäuschende Wahlergebnis der CDU bei der Dresdner Stadtratswahl 2014 aufzuarbeiten und die Gründe dafür etwas besser zu verstehen, lud der CDU Ortsverband Süd und die Junge Union am gestrigen Abend in das Feldschlösschen Brauhaus zur internen Diskussion ein. Als kompetenter Referent saß neben CDU Kreisvorsitzenden Christian Hartmann der Politikwissenschaftler und Professor an der TU Dresden Prof. Dr. Werner Patzelt.

Wahlauswertung mit Prof. Dr. Werner PatzeltNach vielen verschiedenen Analysen der Wahlergebnisse der Kommunalwahlen in Dresden und Sachsen sowie der Europawahl einschließlich Abschneiden der Parteien, Entwicklungstendenzen, Wählergruppen und Wählerwanderungen näherte er sich zielgerichtet den Schwachstellen der CDU Politik aber auch möglichen Lösungen und Aufgaben für die Zukunft.

Fest steht, die CDU hat es trotz kleinerer Abweichungen generell in den Großstädten im Gegensatz zum Land schwer zu punkten. Die CDU wird traditionell von der unteren und der oberen Bevölkerungsschicht, von jungen aber auch besonders von Senioren gewählt. Je älter desto CDU. Die breite Mittelschicht insbesondere mit akademischem Hintergrund wohnt meist in den Großstädten und steht der CDU eher kritisch gegenüber. Zum anderen ist das Angebot an guten Kandidaten auch der anderen Parteien in den Städten meist größer und damit die Personenkonkurrenz stärker.

Wenn auch die äußeren Bereiche der Bevölkerung stabil die CDU wählen, die Delle in der Mitte ist unerfreulich deutlich. Hier hat die CDU in alle Richtungen verloren, sowohl nach rechts zur AFD aber auch nach links zu Grünen und den Linken. Als Lösung, um sich diesen verlorenen Wählergruppen wieder zu nähern, schlägt Patzelt ein gedankliches Dreieck vor, an dessen Ecken drei Ziele verankert sind, die die CDU bei Ihrer Arbeit verinnerlichen sollte.

1. Gerechte Ordnung. Klingt wie soziale Gerechtigkeit, geht jedoch weit darüber hinaus und zielt trotzdem auf die linken Wähler. Gerechter Ausgleich in der Gesellschaft ist kein Manifest der einfachen Menschen, sondern ist in der breiten Mittelschicht tief verankert, nicht erst seit dem die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht und beim Kampf nach oben immer mehr auf der Strecke bleiben. Wir haben viel auf Prestigeobjekte gesetzt, die die Oberschicht ansprechen und dabei die Bedürfnisse und Ansichten der breiten Mittelschicht aus den Augen verloren.

2. Patriotismus. Das soll kein Rechtsruck sein. Kleine Gesten, die zeigen, dass uns Werte, Tradition und gewachsene auch deutsche Interessen wichtig sind. Im Sinne von Franz Josef Strauss darf es rechts der CDU keinen ernstzunehmenden Konkurrenten geben. Von der AFD können wir lernen, dass es tatsächlich Alternativen zur CDU geben kann. Auch aus Protest haben gerade intelligente Menschen nicht CDU sondern AFD gewählt, trotzdem es insbesondere kaum klare lokale Programme und Ziele gibt. Im Tagesgeschäft wird sich nun zeigen, wofür die AFD wirklich steht.

3. Nachhaltigkeit. Bedeutet Verantwortungsbewusstsein für Mensch und Natur aber auch Zukunftsgewandheit. Vorurteilslosigkeit ohne gleich alles in Frage zu stellen und dabei alle Menschen über einen Kamm zu scheren. Sie übertrifft die fundamentalgrünen Antiideen und trägt das grün in sich ohne sich anzubiedern.

Prof. Dr. Patzelts Ansichten und Lösungsansätze machen nachdenklich. Sie sind aber zugleich motivierend für die, die selbstkritisch und offenen Herzens durch das Leben gehen.

Frank Walther, 13. Juni 2014

>> Kolumne von Prof. Dr. Werner Patzelt auf MDR Figaro

Ein Gedanke zu „Wir haben die Mittelschicht verloren

  1. „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen“ – gilt immer noch. Das Wahlergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai ist das Resultat einer CDU-Stadtrats-Politik, die selbst CDU-Mitglieder abschreckte. Es wird oft selbstherrlich, politisch instinktlos und kurzsichtig entschieden. Einzelentscheidungen werden ohne die Betrachtung des Ganzen getroffen. Es herrscht wahrscheinlich in vielen Bereichen Konzeptlosigkeit (im Bereich Kultur ganz sicher, auch im Tourismus fehlen Schwerpunkte). Die Führung der CDU kann nur ein „Mangelhaft“ bekommen. Die Einbindung der CDU-Mitglieder bewegt sich gegen Null.

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