Tourismus ist mehr als Urlaubsspaß

Es ist höchste Zeit den Tourismus als eine der wichtigen Wirtschaftsfaktoren in Sachsen und Dresden mit bedeutendem Wachstumpotential ernst zu nehmen. Die neuesten Zahlen, erarbeitet vom Münchner Forschungsinstitut dwif e.V. und vorgestellt am 8. Juli 2014 während einer Fachveranstaltung des Landestourismusverbandes Sachsen in der Messe Dresden, belegen dies eindeutig.

Wirtschaftsfaktor Tourismus Dresden 2014 (2)Der sächsischen Tourismus erwirtschaftet einen Bruttoumsatz von 7,4 Mrd. € pro Jahr. Bereinigt um die Mehrwertsteuer und Vorleistungen werden daraus in der 1. und 2. Umsatzstufe ein Einkommensbeitrag von 3,5 Mrd €, was etwa 5% der Wertschöpfung in Sachsen entspricht. Der Tourismus gibt damit rund 200.000 Sachsen Arbeit und Beschäftigung. Keine andere Branche kann dies hier von sich behaupten. Zu berücksichtigen sind auch Steuereinnahmen aus Mehrwert- und Einkommenssteuer von rund 721 Mio € pro Jahr.

Sachsen konnte sich auch 2013 im weltweiten Wachstumsbereich Tourismus behaupten und seinen Platz im deutschen Mittelfeld halten. Bei 18 Mio Übernachtungen verbrachten die Gäste durchschnittlich 2,6 Tage in Sachsen. Während 1,1% der Urlaubreisen der Deutschen zu uns führten, wird Sachsen auch bei den Ausländern immer beliebter. Jede zehnte Übernachtung wird von einem ausländischen Gast gebucht, was einen Anstieg um 3,3% bedeutet. Dresden liegt zwar mit 1,9 Mio Besucherankünften und einem Marktanteil von 27,7% an der sächsischen Spitze, jedoch wächst der Tourismus hier deutlich langsamer als in anderen Städten.

Oft orientieren sich statistische Betrachtungen ausschließlich an Übernachtungsgästen. Der Landestourismusverband Sachsen bemüht sich jedoch seit langem, auf den besonders für Sachsen wesentlich größeren Anteil der Tagestouristen aufmerksam zu machen. Freizeit- aber auch Geschäftsreisende, die am gleichen Tag wieder nach Hause zurückkehren und nicht übernachten. In Sachsen wurden 2013 insgesamt 193,2 Mio Aufenthaltstage generiert, davon entfallen 77% auf den Tagestourist. Der Tagestourismus ist damit das größte touristische Marktsegment in Sachsen.

Tourismus ist eine klassische Querschnittsbranche. Nicht nur Hotellerie und Gastronomie profitieren davon. Die Bandbreite der Geschäftszweige ist wesentlich größer. Mit 33% der gesamten touristischen Bruttoumsätze ist der Einzelhandel der Gewinner. 27,2% werden in der Gastronomie und Hotellerie ausgegeben und etwa 25% im Dienstleistungsbereich wie z.B. Unterhaltung, Kultur und Freizeit, Sport, lokale Transportmittel oder auch Parkgebühren.

In der Vielschichtigkeit der am Tourismus partizipierenden Branchen liegt die Herausforderung aber auch die Chance für eine nachhaltige Steuerung und Förderung. Einzelne Bereiche herauszugreifen bringt wenig, ein ganzheitlicher Blick ist gefragt. Bei allen Entscheidungen von Bau- oder  Infrastrukturmaßnahmen, Kultur- oder Freizeitprojekten, bis zu Gebühren und Abgaben sollte die Frage stehen, wie wirkt sich dies auf den Tourismus aus. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf liese sich mit kleinen, meist wenig kostspieligen Schritten Großes erreichen.

Auch im Tourismus geht ohne Marketing nichts. Die Bekanntheit Dresdens in Deutschland und der Welt nimmt zu aber es gibt noch viel zu tun. Andere Städte geben mit spürbarem Erfolg deutlich mehr Geld für Werbung aus. Marketing ist ist keine Aufgabe der öffentlichen Hand allein. Schließlich sind es die Tourismusunternehmen, die zunächst unmittelbar davon profitieren. Die  sächsische Tourismusstrategie 2020, vom Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr 2012 erarbeitet, setzt deshalb auf private und öffentliche Partnerschaft.

Wirtschaftsfaktor Tourismus Dresden 2014 (1)Auf Grund der Breite und Unterschiedlichkeit der Tourismusprofiteure muß die öffentliche Hand steuernd eingreifen. Möglichkeiten für den Tourismus zweckgebundene Finanzierungsmittel zu erheben, gibt es mehrere. Während die Kurtaxe wieder nur eine Branche, das Übernachtungsgewerbe herausgreift und belastet, sind freiwillige Vereinbarungen, z.B. ein Tourismusfond von Kommune und regionaler Wirtschaft, oder die vom Landestourismusverband favorisierte Fremdenverkehrsabgabe branchenübergreifend, wesentlich unbürokratischer und bringen deutlich mehr Geld auch über touristische Fördermitteln ein. Für die durchaus komplizierte aber innovative Einführung der Fremdenverkehrsabgabe winkt zu dem sächsische Unterstützung.

Wer nicht weiß, wo er hin will, wird auch nicht ankommen. Die Tourismusstrategie 2020 des Freistaates hat die Leitlinie für die zukunftsweisende Neuausrichtung der sächsischen Tourismuspolitik gesetzt. Wichtig ist es, dass diese Ziele auf die einzelnen Städte und Regionen konkretisiert werden. Zwar gibt es einen auf diesen Vorgaben von der Dresden Marketing GmbH erarbeiteten Entwurf für Dresden, doch eine mit allen Beteiligten (Stadtverwaltung, Stadtrat und breiter Tourismusbranche) abgestimmte Vision und Strategie existiert bislang nicht. Gerade deshalb ist die Erarbeitung eines Masterplans Tourismus unser im Kommunalwahlprogramm erklärtes Ziel.

Die CDU Dresden sollte sich dem Thema Tourismus ernsthaft annehmen und gerade jetzt ihre Wirtschaftsverantwortung beweisen. Bei schwächelnden Gewerbesteuereinnahmen bietet der Tourismus besonders für Dresden und Umgebung ein enormes Wachstumspotential und für die CDU die Chance sich sichtbar mit einer ihrer Kernkompetenzen zu profilieren.

Frank Walther, 11. Juli 2014

Fotos:
Podiumsdiskussion des LTV SACHSEN „Wie weiter mit dem Tourismus nach der Landtagswahl 2014?“ am 08. Juli 2014 in Dresden,

1. Vortrag Dr. Bernhard Harrer, dwif e.V.

2. Diskussionsrunde mit Manfred Böhme (Direktor LTV) und den tourismuspolitischen Sprechern und –innen des 5. Sächsischen Landtages Tino Günther (FDP), Uta Windisch (CDU), Hanka Kliese (SPD), Michael Weichert (B90/Grüne), Klaus Tischendorf (Die Linke).

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