Offenheit statt Angst vor dem Anderen

Für einen sehr guten Gesprächskreis mit dem Thema „Einwanderer und Flüchtlinge – was können wir tun? Wie kommen wir zu mehr Bürgerbeteiligung?“ am gestrigen Abend in ihrem Atelier auf der Oschatzer Straße gebührt Kati Bischoffsberger, Pieschner Stadträtin der Grünen, Anerkennung.

Nicht nur die aktuellen Ereignisse auch ihre Arbeit im Petitionsauschuß der Stadt Dresden waren Anlaß mit den sehr zahlreich anwesenden Gästen zu reden. Unten ihnen der  Vorsitzende des Ausländerbeirates Victor Vincze, die Stadträtin der Linken Pia Barkow, die Vorsitzende des Vereins Pro Pieschen e.V. Heidi Geiler, die Vorsitzende des Vereins Hufewiesen e.V. Anja Osiander, Mitglieder des neugegründeten Vereins Deutsch-Kurdische Begegnungen e. V., der Journalist Winfried Schenk von Menschen-in-Dresden, die Journalistin Kathrin Kupka-Hahn von der SZ, der stellvertretende Ortsamtsleiter Christian Wintrich und viele Bürger aus Pieschen. Jedoch die Mäkerer und Kritiker waren wohl leider nicht da.

Bei der sehr konstruktiven, sachlichen und engagierten Diskussion zeigte sich für mich, dass es weniger die materiellen und organisatorischen Probleme sind, denen unsere größte Aufmerksamkeit gelten sollte. Diese sind für die meisten Asylbewerber entweder bereits geklärt oder können durch Kontaktaustausch schnell gelöst werden. Es ist vielmehr die emotionale, zwischenmenschliche Seite wo es klemmt. Asylbewerber, Einwanderer aber auch Ausländer, die schon viele Jahre und Jahrzehnte in Deutschland leben, erfahren im täglichen Umgang Vorurteile, Abneigung bis hin zu Hass und Ablehnung.

Es sind sicher vorallem typisch deutsche Eigenschaften überaus kritisch zu sein, sich einzuigeln und abzugrenzen, Anderen eher ablehnend gegenüberzutreten anstatt sie als Bereicherung zu sehen und ihnen das Herz zu öffnen. Daran müssen wir wohl zeitlebens arbeiten. Aber es ist auch ein Zeichen für eine moderne Angst in unserer Gesellschaft. Angst die sich aus einer schier unbegrenzten und haltlosen Welt ergibt, in der alles möglich ist, in der aber auch alles um mich herum und mit mir passieren kann. Die Angst, dass das, was ich mir zum Teil mühevoll selbst geschaffen habe, im nächsten Moment weg oder wertlos sein kann.

Vorbehalte sind für mich nur durch persönlich Begegnungen zu überwinden. So entwickelten sich in der Diskussion u.a. auch zwei schöne Ideen. So wird der Verein Pro Pieschen e.V. seine nächste Sitzung in den Vereinsräumen der Deutsch-Kurdischen Begegnungen in der Oschatzer Strasse abhalten und eine Präsentation des Vereins zum Pieschner Stadtteilfest Sankt Pieschen anregen. Die Initiative „Pieschen für alle“ wird sich noch mehr als Koordinationspunkt der lokalen Hilfe für Asylbewerber und Einwanderer entwickeln und die überforderte Hotline der Stadt Dresden entlasten. Ebenso könnten individuelle Patenschaften zwischen den Menschen, die derzeit sehr zahlreich Hilfe anbieten und den Neuankömmlingen wirklich helfen, persönliche Gespräche und Begegnungen, Hilfe beim Erlernen der deutschen Sprache, bei Behördengängen und Arbeitssuche usw.

So kann Integration, wie auch von der CDU gewollt, in kleinen Schritten tatsächlich stattfinden. Ablehnung und Ausgrenzung fördern das unverbundene Nebeneinander und die Bildung von Parallelgesellschaften, die wir nicht wollen. Vorausetzung dafür ist jedoch auch die konsequente Anwendung und Umsetzung des Asylrechtes, die ständige Aktualisierung der Liste der sicheren Herkunftsländer und eine Überarbeitung des Einwanderungsgesetzes. Die für Deutschland notwendige kontrollierte Zuwanderung darf nicht über das Asylgesetz gelöst werden.

Frank Walther, 17. Februar 2015

Ein Gedanke zu „Offenheit statt Angst vor dem Anderen

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