Bildung in Pieschen – Tendenz leicht steigend

Der 2. Bildungsbericht für Dresden, der Ende letzten Jahres veröffentlicht wurde, war Anlass für ein leider mässig besuchtes Podiumsgespräch zum Thema Bildung in Pieschen am gestrigen Abend, zu der das Herbert-Wehner-Bildungswerk in die Förderschule Makarenko eingeladen hatte. Durch die Diskussion führte Kathrin Kupka-Hahn, freie Journalistin für die SZ.

Insbesondere im Bereich der frühkindlichen Bildung lässt sich im Ortsamtsbereich Pieschen insgesamt eine leicht positive Entwicklung feststellen. Als Indikatoren nimmt der Bildungsbericht erstens die Sprachauffälligkeiten im Rahmen der Schulaufnahme-untersuchungen, zweitens die Schulempfehlungen bzw. Rückstellungen, drittens die Gymnasialempfehlungen und viertens die Hauptabschlüsse bzw. Abgangszeugnisse als Grundlage.

Der Anteil der Kinder die wegen Sprachauffälligkeit eine medizinische Behandlung bedürfen liegt bei etwa 28% im städtischen Durchschnitt, während der Anteil an jugendärztlichen Überweisungen, also Kinder, die neu dazukommen, hier rückläufig ist. Der Anteil an Kindern ohne Grundschulempfehlung liegt weiterhin über dem Dresdner Durchschnitt. Positiv ist jedoch festzustellen, dass gerade in Pieschen-Süd deutlich mehr Kinder eine Empfehlung für die Grundschule erhalten haben. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler die eine Gymnasialempfehlung erhalten liegt bei 46% unter dem Dresdner Durchschnitt von 57%. Die Schüler die maximal mit einem Hauptschulabschluss die Schule verlassen, hat sich spürbar verringert. Dagegen ist die Gruppe derjenigen, die nur mit einem Abgangszeugnis abschließen, angestiegen und liegt nun leicht über dem Dresdner Durchschnitt.

Auch der 2. Bildungsbericht beschreibt wiederholt den engen Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft. In der Analyse der Anteile an Arbeitslosen, SGB II-Empfängerinnen und -Empfängern sowie Alleinerziehenden-Haushalten ergeben sich für alle Stadteile Kategorien von mehr oder weniger sozialer Belastung, die durch die Ergebnisse der Bildungserfolge bestätigt werden. Pieschen ist hier auf einem positiven Trend und konnte sich durch den Zuzug von Menschen mit einem höheren Bildungsniveau verbessern.

Auch der Direktor des Förderzentrums Makarenko Matthias Kranz machte auf die große Bedeutung der Eltern und des familiären Umfeldes bei der Bildung aufmerksam. Die Einflussmöglichkeiten der Schule werden oftmals überschätzt. Begleitende Untersuchungen im Zuge der Pisa Studie haben ergeben, dass die Familie für 60% des Bildungserfolges verantwortlich ist und nur 30% bei den Pädagogen liegt. Außerdem warnte er davor die Gymnasialempfehlungen als alleinigen Gradmesser für den Bildungserfolg zu sehen. Es gibt heute ganz verschiedene Bildungswege. Interessant wäre zu sehen, wo die Kinder in 10 oder 15 Jahren stehen.

Unser Stadtrat Veit Böhm betonte die Bedeutung der frühkindlichen Bildung und verwies gleichzeitig auf die derzeitige finanzielle Unterdeckung im Dresdner Stadthaushalt. Wichtige Investitionen bei der Sanierung und dem Neubau von Kindertagesstätten können derzeit nicht begonnen werden, da das Geld fehlt. In den nächsten Jahren könnten so rund 1.000 Kita-Plätze fehlen. SPD Ortsbeirat Stefan Engel versprach dafür Nachbesserungen im Haushalt.

Podiumsgast Falk Schmidtgen, Leiter des Schulverwaltungsamtes der Stadt Dresden , konnte zu Bildungsfragen nur bedingt beitragen. Seine Behörde ist ausschließlich für den Bau, die Ausstattung und Verwaltung der Schulgebäude sowie die Sekretärin des Schuldirektors zuständig. Auch wenn die Kapazitätsgrenzen in den Schulen zum Teil bis zum Extrem ausgenutzt werden, so ist für die räumlichen Bedingungen weitesgehend gesorgt. Der Bedarf wird permant überprüft. Mehrere neue Schulen für unseren Ortsamtsbereich sind Planung und werden im Zeitplan gebaut.

Generell ist unser Stadtteil auch im Bereich Bildung sehr inhomogen. Die Extreme reichen hier von Pieschen-Süd, das traditionell eher sozial belastet ist aber gerade einen starken Wandel widerfährt bis zu Trachau mit überwiegend Akademikern oder Kaditz, das noch sehr ländlich geprägt ist. Ähnlich starke Unterschiede zeigen sich in den einzelnen Schulen, die zum Teil individuelle Profile oder Förderprojekte führen. Für Eltern ist die Schulbildung der Kinder ein sehr sensibles Thema, mit dem sich lange und intensiv auseinander gesetzt wird. Engagierte Eltern kennen den Ruf der Schulen in ihrem Umfeld und verstetigen so oft die besseren oder schlechteren Schulen durch ihre Anmeldungen.

Frank Walther, 4. März 2015

Ein Gedanke zu „Bildung in Pieschen – Tendenz leicht steigend

  1. Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Versprochen habe ich nichts. Ich war nur zuversichtlich (!), dass es beim Bereich Kita-Plätze Nachbesserungen im Haushalt gibt. Aber ansonsten ein schöner Bericht.

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