Pieschener Kommentar: Potemkin Garden?

Eine moderne Sage berichtet, dass einst der russische Reichsfürst Potjomkin beauftragt war Neurussland zu einer blühenden Landschaft zu entwickeln. Als sich eine Inspektionsreise seiner Herrscherin ankündigte und nichts vorzuweisen war, lies er ganze Dörfer nur aus schicken aber letztlich hohlen Fassadenelementen errichten, um seine Herrin von der schnöden Realität abzulenken und zu besänftigen. Ein Kommentar von Christoph Böhm.

Wenn die SZ in ihrer Online-Ausgabe hier über die aktuelle Entwicklung im Areal Marina Garden an der Leipziger Straße berichtet, so fühlt man sich unweigerlich an diese Erzählung erinnert.

– Die qualvollen Umtriebe am Marina Garden –

Zur Erinnerung die beiden separaten Bauprojekte Hafen City und Marina Garden haben in den letzten Jahren aus den verschiedensten Gründen für einige Kontroversen, ambivalentes Verhalten und so manche Posse gesorgt. Am Ende beendete die rot-rot-grün-orange Stadtratsmehrheit via planungsrechtlichen Veränderungssperre alle Ambitionen der Investorin Regina Töberich, welche zugleich die Grundstückseignerin ist. Daran schloss sich eine weiter vor Gericht anhängige Klage sowie die Absurdität des weggebaggerten Elbradwegs an.

Bedingung für diese Veränderungssperre war die Aufstellung eines Bebauungsplanes durch die Landeshauptstadt selbst, welcher nun durch das Stadtplanungsamt vorgestellt wurde.

– Leider mehr Schein als Sein –

Die städtebaulichen Vorstellungen der Stadtplaner und ausführenden Architekten sind im Ergebnis einfach nur als traumhaft zu bezeichnen. Kunstvoll geschwungene, viergeschossige Bauten mit großen, lichten Fenstern – welche perfekte Arbeitsbedingungen für eine Kreativwirtschaft bieten -, weiträumige Parkanlagen – welche zum Flanieren einladen – und der geschickte Einbau der denkmalgeschützten grumbtschen Villa – was möchte man denn noch mehr?

Ach ja, auch eine Sozialwohnraumbindung ist natürlich denkbar und auch in den kritischen Bereichen Flut- und Naturschutz werden alle Vorschriften nicht nur eingehalten sogar übertroffen.

Es ist absolut nachvollziehbar, dass die bei der Vorstellungen anwesenden Bürger ihrer hellen Begeisterung Ausdruck verliehen. Aber ist dieses schöne Bild denn realistisch und wann wird die Planung umgesetzt?

Leider wohl eher nicht.

Die Stadt hat natürlich das Recht Areale städtebaulich durch auch inhaltlich ambitionierte Bebauungspläne zu entwickeln, nur ist die Arbeitsteilung simpel: die Stadt plant und gibt Anstöße, Investoren und Grundstückseigentümer entwickeln und bauen dann tatsächlich.

Die gegenständlichen und beplanten Grundstücke stehen im Eigentum von Frau Töberich, welcher man weder vorschreiben kann ihre Grundstücke zwangsweise zu bebauen noch zu verkaufen. Eine Enteignung ist theoretisch zwar möglich, aber an sehr hohe rechtlichen Hürden gebunden und extrem teuer. Darüber hinaus sollte man sich als Stadtgesellschaft auch ganz ernsthaft die Frage stellen, ob man wirklich mit diesem Mittel mit Investoren umgehen möchte und was eigentlich die eigene Einstellung zu fremden Eigentum ist.

Selbst wenn die Stadt die Grundstücke von Frau Töberich aufkaufen könnte, wird die Stadtverwaltung wohl schlechterdings selbst die entsprechenden Pläne umsetzen können. Auch hier werden private Investoren und Projektträger benötigt, welche dann tatsächlich Geld in die Hand nehmen, bauen und entwickeln möchten.

– Die Sorge von der Dauer-Brache – 

Die Frage ist nun, ob und wann man einen Investor findet, der die Vision der Stadtplaner teilt und darin die Möglichkeit sieht den Bau dann auch wirtschaftlich sinnvoll umzusetzen. Die Erfahrung zeigt hier, das je visionärer und konkreter die städtischen Vorgaben sind, desto schwieriger wird eine Umsetzung in der Realität.

Daher birgt der vorgestellte Bebauungsplan die große Gefahr, dass einfach erst einmal dauerhaft alles beim Alten bleibt. Anstatt einer Entwicklung der Brache in irgendeine Richtung, wird diese einfach weiter daliegen und still in sich ruhen.

Gut, dass kennen wir ja als Anwohner nicht anders, hat man sich ja schon fast daran gewöhnt. Aber immerhin in der Berichterstattung haben wir dann eine sehr ansprechende Konzeptzeichnung, welche uns zumindest in den kommenden Jahren die schnöde Realität versüßt; genauso also wie es Herr Reichsfürst Potjomkin auch gehandhabt hätte.

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