Hände weg von Schloss Übigau!

Im Rahmen der Reihe „Pieschener Kommentar“ äußert sich unser Vorstandsmitglied Jens Pansegrau zu den aktuellen Entwicklungen rund um das Schloss Übigau.

Dresden hat einen Haushaltsüberschuss, die Presse berichtete, von vermutlich 76 Millionen Euro ist die Rede. Da stellt sich sofort die Frage: Was tun mit dem Geld?

Wir haben im Ortsamtsbereich Pieschen bereits vor einiger Zeit eine erste Idee vernommen: Man könne doch das Schloss Übigau kaufen, da (angeblich) die jetzige Eigentümerin nicht zur richtigen Instandhaltung in der Lage sei.

Die LINKE wird in den DNN online vom 13. September 2017 mit den Worten zitiert: „Insbesondere unser Vorschlag zur Bildung eines Fonds für dringend benötigte Investitionen in bedeutsame Gebäude der Stadt steht für uns weiterhin zur Debatte.“

Dazu sagen wir: Stopp! Hände weg von Schloss Übigau. So lobenswert der Versuch ist, historisch bedeutsame Gebäude für die Nachwelt zu erhalten, so deutlich muss man aber auch sagen: Bei Privateigentum nicht auf Kosten der Steuerzahler. Nicht deshalb, weil ein privater Eigentümer mit einem als erhaltenswert erkannten Gebäudenicht so umgeht, wie man sich das in den Fraktionen des Stadtrates vorstellt.

Nach den Vorschriften der Sächsischen Gemeindeordnung soll eine Gemeinde Vermögensgegenstände nur erwerben, wenn dies zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlich ist. Der Erhalt von Privateigentum ist aber keine kommunale Pflichtaufgabe, hier dürfen keine Präzendenzfälle gesetzt werden. Auch ist Denkmalschutz kein Selbstzweck und sollte nicht deshalb herangezogen werden, weil die Kasse gerade voll ist. Es gibt im Baubereich vorrangige Dinge zu erledigen: Kitas, Schulhäuser und städtische Bibliotheken, um nur das Wichtigste zu nennen.

Romantik statt Licht

Wem es nachts auf der Bolivarstraße in Dresden Trachau schummrig vorkommt, der sollte es besser romantisch sehen, denn am Licht wird sich nichts ändern. Auf Anfrage des Ortsbeirates Pieschen antwortet der Amtsleiter des Dresdner Straßen- und Tiefbauamtes Prof. Reinhard Koettnitz:

„Die Bolivarstraße ist mit einer gasbetriebenen Straßenbeleuchtung ausgestattet, die im Zusammenhang mit dem Bau der Siedlungshäuser 1930/31 errichtet wurde. Diese Art der Beleuchtung, die vor ca. 200 Jahren erfunden wurde, ist eine der unwirtschaftslichsten Methoden der Straßenbeleuchtung. Neben unakzeptablen Lichtleistungen sind u.a. hohe Energiekosten, Unterhaltungsaufwendungen und Umweltbelastungen, wie z.B. der CO² – Ausstoß zu nennen.

Im Vergleich beträgt die Lichtausbeute einer auf elektrischen Betrieb umgestellten Beleuchtung, wie auf der Schützenhofstraße, 79 Lumen/Watt. Dem gegenüber stehen 1,59 Lumen/Watt der vorhandenen Gasbeleuchtung der Bolivarstraße. Folglich kann festgestellt werden, dass die Beleuchtungsanlage im elektrischen Betrieb im Verhältnis zur Gasbeleuchtung eine um etwa 50-mal höhere Lichtleistung aufweist und im Umkehrschluss 50-mal weniger Energie verbraucht.

Um auf der Bolivarstraße eine Beleuchtung nach dem heutigen Stand der Technik zu erreichen, wäre die Errichtung einer effizienten elektrischen Straßenbeleuchtung notwendig.

Dem entgegen steht der Beschluss zur Erhaltung der historischen Gasbeleuchtung zu der auch die Straßenbeleuchtung der Bolivarstraße zählt. Eine Veränderung dieser zugunsten einer dem heutigen Standard entsprechenden Beleuchtung ist aufgrund des Denkmalschutzes nicht möglich. Somit bleibt die unbefriedigende Beleuchtungssituation für die Bürgerschaft weiterhin bestehen.“

Im übrigen gehört die Riesaer und die Barbarastraße in Pieschen-Nord nicht zum denkmalgeschützten Erhaltungsgebiet für Gaslaternen. Daher sollen diese im Laufe diesen Jahres gegen elektrisches Licht getauscht werden.

Frank Walther, 10. April 2015